Sigmar Polke

Sigmar Polke Biografie

Sigmar Polke (geboren 1941 in Schlesien, Polen, gestorben 2010 in Köln, Deutschland) wurde aufgrund seiner unerschöpflichen Neugier für verschiedene Substanzen und Materialien häufig als "der Alchimist" bezeichnet. Er experimentierte mit Flüssigkeiten, Pudern und Metallen, um die Wirkung zu sehen, die die Stoffe auf einer Leinwand aufeinander ausüben. Im Zuge dessen begann sein Studio nach und nach, einem naturwissenschaftlichen Labor zu gleichen. Der ausgebildete Maler begründete in den 60er Jahren gemeinsam mit seinen Studienkollegen an der Kunstakademie Düsseldorf Gerhard Richter und Konrad Lueg (der später unter dem Namen Konrad Fischer als Kunsthändler bekannt wurde) den Kapitalistischen Realismus. Diese Parodie der amerikanischen Pop Art-Bewegung, die von Polkes Hang zu Ironie zeugte, kritisierte Deutschlands neuentdeckte Vorliebe für amerikanische Populärkultur sowie das vom politischen Wandel angespornte Konsumdenken. Mit ihrer Anspielung auf den "Sozialistischen Realismus" kommentierte die Künstlerbewegung auf subversive Weise die neuen Trends im Alltagsleben, der Politik und der Wirtschaft.

 

In dieser von ihm mitbegründeten parodistischen Bewegung bezog Sigmar Polke seine Inspiration wie auch in seinem restlichen Werk aus dem Alltagsleben, ob aus Haushaltsmagazinen, der Werbung oder gängigen Textilaufdrucken. Er veränderte die Symbolik der Bilder, kreierte neue Kodes und Botschaften und spornte auf diese Weise den Betrachter dazu an, über die Bedeutung hinter dem ursprünglichen und dem abgeänderten Bild zu reflektieren. Der Künstler stellte die Verbindung zwischen der Anordnung und ihrer Bedeutung infrage, ungeachtet des Mediums, mit dem er arbeitete. Seine Interessen kannten hierbei keine Grenzen und umfassten Malerei, Fotografie, Fotokopie und Druck.

 

Ein hervorragendes Beispiel für Sigmar Polkes interdisziplinäre Kunstpraxis ist das Werk Freundinnen (1967), ein Standbild aus einem Hollywood-Film mit der Schauspielerin Elke Sommer. Zunächst vergrößerte er das Bild, reproduzierte es im Anschluss daran mehrmals und trug schließlich mit der Hand Farbe auf jeden einzelnen Druck auf. Interessanterweise war das Bild bereits mehrfach verfügbar, bevor Polke es vergrößerte und damit zum Einzelstück machte. Er nutzte anschließend Offset-Drucktechniken, um das Einzelstück zu vervielfachen und ein Multiple aus 25 Auflagen zu produzieren, kreierte jedoch durch das Auftragen von Farbe wiederum 25 Einzelstücke. Das Werk veranschaulicht somit die vielfältigen Interpretationen des Begriffes “Multiple” und zeigt, wie winzige Veränderungen aus einem Werk ein Einzelstück oder eine Auflage machen können. Damit hinterfragt Polke gängige Vorstellungen über die Originalität des Künstlers und den “wahren” Wert eines Bildes.

 

Sigmar Polke Karriere kehrte zu ihrem Ausgangspunkt zurück, als er die Fenster des Grossmünsters in Zürich entwarf, was sich als sein letztes öffentliches Projekt herausstellen sollte. Vor seinem Studium an der Kunstakademie hatte Polke eine Ausbildung zum Glasmaler absolviert. Das ortsspezifische Werk erlaubte ihm somit, die Kenntnisse, die er als junger Mann erworben hatte, in Kombination mit seinem Interesse an verschiedenen Materialien und seiner Faszination für den kunstgeschichtlichen Kanon zur Anwendung zu bringen. Sieben Fenster aus Achat, ein Halbedelstein, der den Anbeginn der Zeit widerspiegelt, sowie fünf Darstellungen aus dem Alten Testament bieten gemeinsam eine Übersicht über Geschichte und Kunstgeschichte. Die dargestellten biblischen Szenen stehen dabei in Einklang mit den modernen Achatfenstern.

 

Sigmar Polke hegte eine Faszination für das Überschreiten von Grenzen. Er suchte stets nach dem Unvorhersehbaren und den Grenzen der Darstellung, des Materials, oder des Mediums, um anschließend die Barrieren zu durchbrechen und neue Arten des Kunstverständnisses zu kreieren. Seine persönliche Ästhetik, mit der er seine Botschaften transportierte, bestand darin, Bildsymbolik mit Ironie, Humor und subversiven Botschaften aus dem Zusammenhang zu reißen, um ihr eine neue Bedeutung zu verleihen.

Erhältliche Arbeiten: 1

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