Lynda Benglis

Lynda Benglis Biografie

Lynda Benglis (geboren 1941) stürmte die internationale Kunstszene mit ihren kontroversen, Geschlechtergrenzen überschreitenden Darstellungen. Sie ist vor allem für ihre Werbung im Kunstmagazin Artforum aus dem Jahr 1974 bekannt, in der sie nackt mit einer weißen Sonnebrille und einem Doppeldildo posierte – ein gelungener Seitenhieb gegen die Pin-Up-Ästhetik und die damalige männerdominierte Kunstszene, der Benglis öffentliche Aufmerksamkeit in einem von machistischen Künstlern dominierten Umfeld einbrachte. Die Form des Dildos spielte auf ihre abstrakten und doch anzüglichen Skulpturen aus gegossenem Latex an.  Die Künstlerin goss das Sexspielzeug später in fünffacher Ausführung mit dem Titel Smile in Bronze – ein Exemplar für jeden Redakteur von Artforum, der eine Beschwerde über ihre Werbung verfasst hatte.

 

Während Benglis' frei fließende, biomorphe Formen unbestreitbar eine erotische Konnotation besitzen, liegt ihr wahrer Beitrag zur feministischen Causa in ihren Videoarbeiten. In Female Sensibility aus dem Jahr 1973 küsst und leckt Benglis das Gesicht der Künstlerin Marilyn Lenkowsky zu traditioneller Countrymusik und stellt somit lesbischen Sex neben männlich besetzte Popkultur. Benglis befasst sich in ihren Arbeiten mit dem Körper und Performativität und erforscht und untergräbt gleichermaßen den konventionellen Blick auf geschlechtsspezifische Sexualität.

 

Lynda Benglis' Zusammenarbeit mit dem bahnbrechenden Minimalisten Robert Morris ist ebenfalls bemerkenswert. Morris schaltete 1974 eine Werbung in derselben Ausgabe von Artforum, die ihn in einem entblößenden Lederoutfit aus den Schwulenbars der 70er Jahre zeigte. Dieses Bild erzeugte, wenig überraschend, eine geringere Resonanz als Benglis' explizites Nacktbild, was abermals zeigte, dass offene Sexualität und Fetischismus bei Frauen verschmäht, bei männlichen Künstlern jedoch blindlings akzeptiert wurden.  

 

2009 wurde Lynda Benglis mit einer umfangreichen internationalen Retrospektive geehrt, die unter anderem im Irish Museum of Modern Art in Dublin, dem Consortium in Dijon, dem New Museum in New York und dem Museum of Contemporary Art in Los Angeles zu sehen war. Benglis wurde mit dem Guggenheim-Stipendium ausgezeichnet und ihre Arbeit ist in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, unter anderem im Museum of Modern Art und dem Whitney Museum of American Art in New York sowie dem San Francisco Museum of Modern Art.

Erhältliche Arbeiten: 4