Cindy Sherman

Cindy Sherman Biografie

Die wohl außergewöhnlichste Fotografin der zeitgenössischen Kunst, Cindy Sherman, vermag es, komplizierte Geschichten in nur einem einzigen Bild zu erzählen. Obwohl sie in jeder ihrer Fotografien selbst zu sehen ist, sind diese keinesfalls autobiografisch. Sherman verwandelt sich je nach den Ansprüchen eines neuen Motivs geschickt in eine Sexpuppe, einen Clown, ein junges Mädchen, eine Figur aus einem berühmten Gemälde oder sogar in eine Leiche. Ihre Rollen entnimmt sie oft der Welt der Werbung und verdeutlicht so die künstliche Struktur unserer Konsumkultur.

 

Cindy Sherman wurde 1954 als jüngstes von fünf Kindern geboren. Ihr Durchbruch in der New Yorker Kunstszene der 80er Jahre mit einer Serie von Film-Stills aus erfundenen Filmen zerstörte die damals gängige Meinung, dass eine Kamera nicht lügen könnte. Die Serie von 69 Schwarzweißfotografien kommentierte kulturelle Klischees und deren Verbreitung durch die Medien.

 

Shermans Familie gehörte zur Episkopalkirche und die Künstlerin litt schwer unter den engstirnigen und rassistischen Ansichten ihres Vaters. Schon als Kind flüchtete sie sich deshalb in das Spiel mit Verkleidungen und Schminke. Heute glaubt sie, dass ihr Drang, sich zu verkleiden, auch eine Reaktion auf die weitreichenden politischen und sozialen Veränderungen und Umbrüche der 60er und 70er Jahre waren.

 

Normalerweise nimmt Cindy Sherman selbst mithilfe verschiedener Spiegel ihre Bilder auf und verändert gegebenenfalls so ihre Positionen. Manchmal gibt sie auch Anweisungen, wenn ein Anderer ihren Platz hinter der Kamera für sie einnimmt. Shermans Selbstportraits sind mitunter irreführend, da sie selbst für uns oft fast unerkennbar bleibt. Auf diese Weise beschäftigt sich die Künstlerin auch mit ihrer eigenen Weiblichkeit, Identität und Verletzlichkeit.

 

Nachdem Sherman in den 80er Jahren eine herausragende Veröffentlichung in der amerikanischen Kunstzeitschrift ArtForum zugesagt worden war, wies die damalige Redakteurin Ingrid Schischy die neuen Arbeiten der Künstlerin zurück, da sie diese als zu extrem empfand. Die Bilder zeigten verängstigte, traumatisierte Frauen. Im Anschluss schuf Cindy Sherman im Jahr 1989 die Serie Disasters and Fairytales. In dieser Serie wurde die unheimliche Seite in Shermans Werk offenbar, die auf das Publikum vielfältig wirkte. Unter einer dunkelen Oberfläche verbargen sich Bilder voller Schönheit und Melancholie. Zu diesem Zeitpunkt wurden ihre Werke bereits für jeweils 1 Million Dollar verkauft, einer für eine noch lebende Fotografin extrem hohen Summe.

 

Im Jahr 1997 begann die stets ideenhungrige Sherman, Filme zu machen. Ihr Regiedebüt Office Killer mit Molly Ringwald und Jeanne Tripplehorn wurde schnell zu einem Kultfilm. Drei Jahre danach, im Jahr 2000, veröffentlichte Sherman eine neue Fotoserie, die Frauen mit übermäßig betonten Gesichtszügen zeigte – eine Reaktion auf sexuelle Klischees und die Rollenverteilung in unserer Gesellschaft.

 

Cindy Sherman hat im Laufe ihrer Karriere bereits zahlreiche Preise gewonnen, wie etwa den Wolfgang Hahn Prize im Jahr 1997. 2010 wurde sie zum Ehrenmitglied der Royal Academy of Arts in London ernannt. Im Jahr 2006 zeigte Cindy Sherman eine große Retrospektive ihrer Arbeiten im Jeu de Paume Museum in Paris. 2012 hatte Sherman eine große Ausstellung im MoMA in New York. Die Künstlerin setzt in ihren neueren Arbeiten die zentralen Themen ihres Schaffens fort.

Erhältliche Arbeiten: 1

Kunstwerke und Preise